im land der aufgehenden sonne

Tuesday, September 28, 2004

ryokan

Gestern war ich in Hikone und wollte mal in einem schoenen Ryokan mit Bad und allem uebernachten, aber entweder man bezahlt ueber 300 Franken oder frau laesst es bleiben, denn es ist hat sich als unmoeglich erwiesen ein Ryokan zu finden, dass eine alleinreisende Frau "aufnehmen" wuerde. Die nette Dame an der Touristeninformation musste mich nach etlichen Telefongespraechen leider endtaeuschen. Die Besitzer haetten Angst, dass es Probleme gibt, da sich dort sonst nur Maenner aufhalten. Es gaebe zwar separate Raeume, die Waende seinen jedoch duenn. Dann eben nicht!!! Safety, alles scheint hier zu gefaehrlich zu sein. Dafuer kam ich dann einiges guenstiger unter, konnte mir ein feudales Nachtessen leisten und noch einen Teekrug. Also wer bei mir in Zuerich mal vorbeischaut darf gerne japanischen Gruentee geniessen.

Ausserhalb Tokyos scheint eine ungeschriebene Regel zu herrschen. Trifft man jemanden mit weisser Haut, dann kommt man einfach ins Gespraech. So habe ich heute Morgen auch einen Russen kennengelernt, der genau das studiert hatte, was ich in den naechsten viereinhalb Jahren zu studieren Gedenke. Er wollte mir bereits die ersten ETH-Professoren empfehlen. Auf jeden Fall half mir Serguei ueber die Runde als es darum ging mein Gepaeck im Hotel zu deponieren um mir Hikone anzuschauen. Die Frau hatte meine Gesten naemlich so gedeutet, dass ich das Gepaeck versenden wolle und hat sich sogleich eifrig daran gemacht Formulare hervorzukramen.

Hikone ist wunderschoen. Es hat ein riesiges Schloss, liegt am groessten See Japans und hat viele niedliche Geschaefte und Souvenierlaeden. Genau das richtige um noch einen entspannenden Tag zu verbringen bevor ich mit dem Hikari Shinkansen wieder nach Tokyo bzw. Kasukabe gefahren bin.

Kasukabe

Saturday, September 25, 2004

lichter

Wenn man das nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann man sich wohl gar nicht vorstellen wie gross diese Staedte hier sind. Heute abend sind wir erneut zu einem Aussichtspunkt gefahren und haben die Aussicht genossen. Das ist einfach gigantisch. Wir sind schon unendlich lange zwischen irgendwelchen Haeuserbloecken hindurchgefahren und ich wusste, dass Japan ziemlich dicht besiedelt ist, doch das hat alles ueberstiegen. Lichter, Lichter, Lichter... fuer millionen von Menschen erzeugt.

Ansonsten haben wir heute nochmals vier Tempel in Kyoto besucht. Einer war eindrucksvoller als der naechste. Im Todaiji-Tempel, der das groesste Holzgebaeude der Welt ist, steht eine Riesige Buddhastatue. Die ganze Tempelanlage wurde im Zweiten Weltkrieg zwar zerstoert, aber natuerlich wieder aufgebaut. Spaeter gings zum "golden pavilion". Obwohl er mit Touristen ueberfuellt war hat sich ein Besuch durchaus gelohnt. Ich mag mir jedoch gar nicht vorstellen, wie das waehrend der Hochsaison zu und her geht.

Jetzt sind es noch fuenf Tage. Auf eine Seite freut es mich wieder nach Hause zu kommen, auf die andere Seite koennte ich alleine in Kyoto noch eine Woche oder mehr verbringen. Aber ich freue mich auf meinen Studienbeginn und die "neue" Wohnung und natuerlich darauf einige bekannte Gesichter wiederzusehen. Zuvor bluehen mir hier noch zwei Abschiede. Das gehoert halt auch dazu.

Kobe

Thursday, September 23, 2004

it` so nice!!!

Nach einem schweren Abschied von Satomi bin ich mittlerweilen in Kobe bei Aki, einer weiteren Freundin. Eine Hightechwohnung, Blick aufs Meer in die eine Richtung, die Berge auf der anderen Seite. Eigentlich schoener als man es sich ertraeumen wuerde, doch ich vermisse immer noch die familiaere Waerme von Satomis Haus.
Hier sind alle so nett, aber gleichzeitig unglaublich oberflaechlich. Alles ist super, toll oder noch besser. So kann man einfach ein Gespraech fuehren, wenn man die Antwort sowiso schon kennt. Entweder "ja", "this is great"oder "it is so nice". Ich nehme Komplimente gar nicht mehr ernst, denn das scheinen zum groessten Teil Floskeln zu sein. Ich hoffe das aendert sich noch. Langsam fehlen mir gute Gespraeche doch ernsthaft. Mit Satomi habe ich einmal bis Mitternacht geplaudert, aber sie musste dann wieder arbeiten und ins Bett. Die meisten Leute hier koennen jedoch etwa so viel Englisch wie ich Japanisch oder noch weniger... Wie gerne wuerde ich doch schon Japanisch verstehen koennen...

Heute war ich mit Akis Familie zwei Schloesser und eine riesige Tempelanlage anschauen. Aeusserst beeindruckend. Nur ging mit alles etwas zu schnell. Ich haette alleine in der Tempelanlage mehrere Tage verbringen koennen.
Mit Ayako (Akis Schwester) habe ich mich dafuer auf Anhieb verstanden, obwohl ich mich nicht wirklich mit ihr unterhalten kann. Dafuer hat sie meine Fingernaegel lackiert und noch irgendwelche Steinchen draufgeklebt und Schnickschnack hinzugemalt. Das ist wenigstens mal was anderes.

Tuesday, September 21, 2004

schmetterlinge

Auf einer Lichtung tanzen Schmetterlinge. Verfolgen sich, schillern in wunderbaren Farben. Verspielt und wunderschoen, so leicht. Lange schaue ich ihnen zu ehe ich meinen Weg fortsetze.
Ein nicht zu sonniger, aber durchaus heisser Tag. Ich kragsle irgendwo durchs Unterholz, weil der Weg ploetzlich aufgehoert hatte und bleibe mitten in einem Riesigen Spinnennetz haengen. Das klebrige Zeugs bringe ich fast nicht mehr weg. Aber was mich in diesem Moment mehr interessierte war die Reaktion der Spinne. Sie bewegte sich ans andere Ende des Netzes und wartete einfach ab. Als ich jedoch einen Grashalm hineinwarf sprintete in einem Sekundenbruchteil dorthin und entfernte diesen wieder aus ihrem Netz. Ziemlich lange stand ich also da und beobachtete diese Spinne. Ein alter Mann hatte unterdessen mich beobachted. Ich will gar nicht wissen was der ueber mich gedacht hat. Fuer ihn war das Spinnennetz ja nicht sichtbar... Kurz darauf bin ich weiter duch dieses kleine Dorf, spaeter durch Orangen, Zitronen und Mandarinenheine gelaufen. Ueberall wurde ich ueberrascht angeschaut, gefragt ob ich mich verlaufen haette. "Only walking" - "ah..." Ich spuehrte ihre Blicke noch in meinem Ruecken waehrend ich weiter ging. Nein, keine feindlichen Blicke, aber Ueberraschung sprach darauf.
Irgendwann kam ich auch von der letzten Zivilisation weg, kletterte durchs Unterholz, duckte mich unter etlichen Spinnweben hindurch und uebersah zwei weitere Netze. Kurz darauf sehe ich den ersten pechschwarzen, aber ziemlich grossen Schmetterling. Andere Tiere huschen vor mir weg. Irgendwie scheine ich hier in ein Reich einzudringen, das schon lange kein Mensch mehr betreten hat und doch, einst hatte hier ein Straesslein durchgefuehrt, dass sich die Natur zurueckerobert hat. Als Zeugnisse von Menschen dienen noch leere Aludosen und Petflaschen. Aber das meiste ist kaum noch zu sehen.

Monday, September 20, 2004

restroom

Einkaufszentren mit Ruheraum damit man zwischendurch mal verschnaufen kann um dann wieder voll zuzuschlagen. Eigentlich keine schlechte Idee. Neben der Damentoilette gibts einen separaten Schminkraum mit Spiegeln und Stuehlen, unentbeerlich beim Einkaufsbummel. Und genau wegen der Schminke muss man sich beim Kleider anprobieren auch zuerst irgendwie einen Schal um den Kopf wickelen. Tausend Dinge die "man" dazu noch wissen und beachten sollte. Zum Glueck kann mich Satomi ab und zu darauf hinweisen, wenn ich wieder mal vor irgendwelchen raetselhaften Symbolen stehe.

Ansonsten habe ich gelernt wie ich "hauseigenen" Pflaumenschnaps herstellen kann, wie man aus Mehl und Wasser Soba (eine hiesige Nudelspezialitaet) macht und ich hoffe ich habe was dazugelernt was den Umgang mit Gaesten betrifft.
Jetzt gehe ich erstmals raus an die frische Luft, ein kleiner Spaziergang schadet schliesslich nie, denn Satomis ganze Familie ist am arbeiten.

Friday, September 17, 2004

el dorado

In Genf hat mich meine Chefin als naiv bezeichnet, da meine Liebenswuerdigkeit und Hilfsbereitschaft nie auf mich zurueckkommen wuerde. Es lohnt sich nicht, hat sie gemeint. Mich haben die Worte damals traurig gestimmt.
Hier habe ich gelernt wie unrecht sie hatte, denn ich erfahre bloss Liebe, Liebenswuerdigkeit, Hilfsbereitschaft und Grosszuegigkeit. Viel mehr als ich mich im Stande fuehle jemals zurueckzugeben. Doch es scheint gar niemand zu erwarten, etwas zurueckzubekommen. Sie sehen wie ich mich freue und geruehrt bin, dann lachen sie mit mir, teilen meine Erlebnisse und scheinen zufrieden zu sein.

Gestern gingen wir in ein Antiquitaetengeschaeft. Zuerst wurden wir in die "Stube" gebeten. Sakurako, die Besitzerin des Ladens brachte Tee und japanische Suessigkeiten waehrend ihr Vater Geschichten ueber die einzelnen Gegenstaende erzaehlte und uns deren Zweck demonstrierte. (muss ich noch erwaehnen, dass das ganze natuerlich auf Japanisch war...) Gut drei Stunden verbrachten wir beim gemuetlichen Zusammensitzen. Dann gings ans verabschieden. Die Besitzerin brachte mir drei Teller und zwei Dinge, deren Namen mir wieder entfallen sind und schenkte sie mir. Es schien ganz natuerlich zu sein, dass wir nichts kaufen.
Wohin ich hier komme werde ich willkommen geheissen, beschenkt. Alles scheint mir wie ein Traum zu sein. Viel zu schoen um wahr zu sein. Der naechtliche Hamamako (ko=see), die Lichter, Freunde, traumhaftes Essen, die Landschaft, Buddhistische Tempel, Schreine... einfach alles.

Am Abend wurde ich von Satomis Eltern in ein Restaurant eingeladen. Ein Meterlanges Holzschiff, mit Gemuese, rohem Fisch und fuenf zappelnden ebi (shrimps) geschmueckt, wurde auf den Tisch gestellt. Auf Aesthetik wird hier sehr grossen Wert gelegt. Das Schiff war ein wahres Kunstwerk. Nur die armen ebi, das verstehe ich nicht.

Shizouoka

Thursday, September 16, 2004

dragons secret path

Satomi musste die letzten Tage arbeiten, denn fuer Japaner ist es aeusserst schwer Ferien zu nehmen. Dashalb hat mich otosan (der Vater) unter die Fittiche genommen. Mit viel Freude hat er mich an verschiedene Plaetze mitgenommen und munter ueber deren Geschichte geplaudert. Das ganze natuerlich auf Japanisch, zwischendurch mit ein paar englischen Ausdruecken untermalt. Am Abend war ich jeweils voellig erschoepft von der dauernden Konzentration und er genauso.
Gestern waren wir in einer Grotte gleich um die Hausecke. Es ist erstaundlich was man aus einem solchen Ort alleine mit dem Licht spielend machen kann. Da war eine Hoehle, wo einem aus dem schwarzen Nichts Wasser in feinen Tropfen entgegenflog. Der Klang, das Licht einfach nur schoen. Dragons secret path hiess eine weitere Hoehle. Ein schmaler, runder Gang, der 40 Meter nach oben fuehrte. Was mich daran genau faszinierte weiss ich gar nicht, doch ich schaute minutenlang einfach hinauf, stellte mir kleine Drachen vor und ploeztlich fologen da Tiere drin. Nein, nein keine kleinen Drachen sondern "grosse" Fledermaeuse. Sie kreisten ueber mir, eine flog mir entgegen, kam bis auf wenige Zentimeter an mich heran und fuehrte dann ihren Zickzack fort.

Rund um Shizouoka und Hamamatsu

Monday, September 13, 2004

kleiner tipp

Viele Dinge sind mir bereits zum Alltag geworden. Die Sprache, Schuhe ausziehen, zuerst einen Schluck von der Suppe nehmen, dann mit den Staebchen das Gemuese herausfischen, nicht auf der Tuerschwelle stehen, beim Essen schluerfen, roher Fisch, laecheln,... nur dass man hier die Leute nicht anschaut, das kann ich mir nicht verinnerlichen. Ich beobachte einfach zu gerne.
Da ist jedoch noch ne Kleinigkeit, die ich jedem, der irgendwann nach Japan reist mitgeben moechte. Versichert euch immer ob das, was auf dem Teller in der Mitte des Tisches liegt wirklich nicht mehr lebt. Denn ich hatte beim Tintenfisch ploetzlich den Eindruck, dass dieser sich noch bewegt hat. "Nein,nein der ist zwar roh, aber das kann nicht sein...." ich esse also friedlich weiter. Doch dieser Kopf mit den Tentakeln schien tatsaechlich noch zu atmen waehrend wir den Koerper assen. - "Natuerlich lebt der noch, was dachtest du denn!" Ich werde etwas schraeg angeschaut, wuerge den Bissen, den ich im Mund habe runter. Da war es sowieso schon zu spaet, aber das arme Tier tat mir leid. Kurz darauf wird der Kopf abgeholt, getoetet, gebraten und zurueckgebracht. Hier gilt das eben als Beweis der Frische, wenn man den einen Teil noch lebendig vergesetzt kriegt. Mir ist da blindes Vertrauen in den Koch lieber...

Sunday, September 12, 2004

gebet

Inzwischen bin ich von Kaskabe weiter nach Suedwesten gereist und bin bei Satomi zu besuch. Das Leben hier ist ganz anders. Die Familie ist nicht auf wenigen Quadratmetern zusammengepfercht. Hier ist viel mehr Platz und alles westlicher eingerichtet. Das finde ich irgendwie schade.

Gestern haben Satomi und ich einen Tempel in der Naehe von Hamamatsu besucht. Dank irgendeines speziellen Festes wurde auch "Normalsterblichen" der Zugang zum innersten Bereich das Tempels gewaehrt, der mich zutiefst beeindruckt hat.
Wir standen staunend da, Satomi versuchte meine Fragen zu beantworten, da erschien ploetzlich ein Moench, schlug den Gong, las dazu in einem unruhigen und doch beruhigenden Singsang. Was um ihn herum geschah schien ihn nicht im geringsten zu kuemmern. Mich faszinieren Moenche irgendwie, denn fuer mich ist die Entscheidung zu einem solchen Leben nur schwerst nachvollziehbar.

Shizouoka

Thursday, September 09, 2004

aufgehende sonne


"Communications"

Lake View Youth Hostel in Chichiba, unter mit erschreckte sich ein dreckigbrauner Stausee, der meine Erwartungen keineswegs erfuellte, liess ich den Blick jedoch etwas weiter auf die Beschweifen entschaedigte mich dieser sogar noch fuer den langen Weg der Strasse entlang bevor mich ein Bauarbeiter in seinem Auto mitgenommen hat.Etwas spaeter genoss ich das Panorama aus dem heissen, wunderbar entspannenden Sprudelbad der Jugendherberge und liess mich einfach gehen.
Nach dem Abendessen klopfte es an meine Tuer. "Communications" der Wirt winkte mich mit sich. Es hatte naemlich einen Gast, der etwas englisch sprach und mit dessen Hilfe ich ausgefragt und vor einem weiteren heranziehenden Taifun gewarnt wurde. Bei Bier, Nashibirnen und Getrocknetem Fisch konnte ich mich schoen zuruecklehnen. "Wie gefaellt dir Japan?" - "Die Japaner, die Sprache, das Essen...?" - ... - " Du solltest einen Japaner heiraten." Schlussfolgerte die Wirtin.

Safety

Sicherheit steht ganz zu oberst in Japan. Ich wurde bloss zu oft gefragt, ob ich denn gar keine Angst hatte. So auch dieses mal. Fuersorglich kuemmerte sich das aeltere Besitzerpaar der Jugendherberge um mich, sie packte mir einen Lunch fuer meine Wanderung ein, er fuhr mich bis zum Ende der Luftseilbahn dem Mitsuminesan.Dieser Sicherheit all und ueberall wollte ich endlich mal entfliehen. Nach wenigen Metern Marsch begruesste mich bereits die erste Schlange mit einem bedingt frendlichen Zischen. Unendliche viele Warnschilder zierten den Weg, doch die liessen mich kalt, denn abgesehen von der Zeichnung mit dem Baeren verstand ich sowieso nichts davon. Ich konnte es nicht lassen doch noch einen Umweg zu einem Schrein einzubauen, etliche Hoehenmeter rauf und runter, alles durch lichten Wald ueber Wurzeln und Steine hinweg. Die Sonne kitzelte mich durch das Blaetterdach hindurch. Ein ueberwaeltigendes Panorama. Oft lief ich auf einem schmalen Grat und konnte in allen Richtungen den Himmel und die angrenzenden Berge sehen. Diese Berglandschaft erwies sich als Paradies fuer jeden Pilzesammler, wobei ich nicht besonders viele Pilze kannte.Dass es bloss eine Frage der Zeit war, bis das Wetter umschlagen wuerde war mir jedoch durchaus klar...

Lonely Planete

Der Wind fegte durch die Baeume, liess sie bedrochlich schwanken und knarren, waehrend Regen auf meinen Schirm niederprasselte. Die ganze Szene hatte eine wilde Schoenheit. Den unbaendigen Gewalten der Natur ausgesetzt ueber Wurzeln und glitschige Steine zu klettern, ganz alleine, ohne einer Menschenseele zu begegnen, die Grenzen meiner koerperlichen Kraefte auszutesten. Die Elemente foermlich zu spuehren. Bei einer kurzen Rast schien mir der Reis das koestlichste Essen auf Erden zu sein. Kurz darauf gings weiter den unverstaendlichen Wegweisern nach. (Das einzige was im Alphabet beschriftet ist sind die lateinischen Namen saemtlicher Baeume und Pflanzen)Sechs Stunden nach meinem Start auf dem Mitsuminesan erreichte ich die Rettungshuette auf dem Kumotorisan (2017 m.ue.M). Der Rucksack hatte meine Nackenmuskulatur in Drahtseile verwandelt, ich spuehrte meine Knie vom bergablaufen kaum mehr und war ziemlich erschoepft. Zudem endete hier meine Landkarte. Ich hatte den Taifun im Nacken und keine Ahnung wie gefaehrlich dieser sein wuerde, doch schlussendlich siegten die mueden beine und der Gedanke, dass ich den Sonnenaufgang in den Bergen sehen koennte und ich blieb in der Huette. Zu meiner Erleichterung tauchten spaeter noch zwei Japaner auf, wir breiteten unsere Schlafsaecke aus, versuchten im Schein einer Kerze uns noch etwas zu verstaendigen und ginge bald darauf schlafen.Zornig pfiff der Wind um die Huette und Sturzbaeche von Wasser prasselten auf das Dach nieder, doch innen blieb es gemuetlich.

Sonnenaufgang in den Bergen

Ein Zufall, dass dieser Morgen genau die Halbzeit meiner Reise war? Eine bezaubernd wilde Morgenstimmung herschte. Zartes Rot und dunkle Wolken. Tanzende Nebel huellen die Berglandschaft in einen Gespenstischen Mantel. Irgendwann geht die Sonne auf und es wird Zeit wieder aufzubrechen. Der Wind flaut langsam ab und nur noch die umgestuerzten Baeume und heruntergefallenen Aeste zeugen vom naechtlichen Taifun. Ansonsten brach ein wunderbarer, viel zu sonniger und heisser Tag an, der sogar den Blick auf den Stolz meiner beiden japanischen Begleiter, den Fujiyama, frei liess.

Von Mitsuminesan ueber Kumotorisan nach Oku-Tama und wieder zurueck in Kasukabe

Sunday, September 05, 2004

lautloses duell

Nachdem ich gestern Morgen einen der groessten Schocks meines Lebens gehabt habe, verbrachte ich die vergangenen beiden Tage im Bett beim Lesen, Tee trinken und schlafen. Den groessten Teil davon aber beim Lesen, denn mir fiel "Lautloses Duell" von Jeffery Deaver noch in die Hand bevor ich mich zu langweilen beginnen konnte. Aber lasst mich doch mal ganz von vorne am besagten Morgen beginnen. Als ich um 6 Uhr erwache ist mir ziemlich uebel und zittrig zu mute. Ich mache mich auf in den unteren Stock um die Toilette aufzusuchen, da die Uebelkeit immer heftiger in meinem Magen zu rumoren begann. Ploetzlich loest sich das Bild vor meinen Augen wie in Pixel auf, dann verschwindet saemtliche Farbe und schlussendlich kann ich bloss noch schemanhaft etwas erkennen. Alles vor meinen Augen flimmtert nur noch. Einfach ohne Grund, aus heiterem Himmel. Ich taste mach benommen und mit leichter Panik, dass jetzt wirklich was mit meinen Augen nicht stimmen koennte die Treppe wieder hoch, kann immer weniger erkennen, bis ich mich schlussendlich entscheide Kai zu wecken. Als ich dann irgendwann endlich wieder im Bett lag kehrte auch stueckweise mein Augenlicht zurueck. Diese paar Minuten waren einfach grauenvoll gewesen, umso groesser auch die Erleichterung danach. Ich schreibe das Ganze jetzt mal dem niederen Blutdruck zu und hoffe morgen wieder so fitt zu sein, dass ich meinen Abstecher in die Berge auch durchziehen kann, obwohl ich schon Kais Worte hoeren kann, dass ich das doch besser lassen soll. Aber was ich mir einmal in den Kopf gesetzt habe...

McDonalds, die stehen doch ueberall im Ueberfluss, aber ich habe schon lange gelernt die einfach zu ignorieren und so schnell wie moeglich daran vorbeizulaufen ohne das Gebaeude auch eines Blickes zu wuerdigen.
Wein? Wenn du Rotwein mit Eis serviert bekommst, dann bist du eben in Asien. Hier trinkt man eher Bier oder Sake. Nur Shingo hat was davon verstanden, doch er arbeitet auch in einem Italienischen Restaurant.

Kasukabe (die letzten beiden Tage, ein Zimmer, eine Wand, ein Buch... alles was ich gesehen habe. Dazu noch einige Postkarten)

Friday, September 03, 2004

beobachten

Ueberall Gluecksbringer fuer alle moeglichen Situationen zu kaufen. Eine kleine Holzbox mit 100 Staebchen darin. 100 Yen in eine Holzschale werfen, dann darf man ziehen. Wie steht es mit unserem Glueck? "-" Das Zeichen fuer eins faellt aus der Box. Danach sollte ich eigentlich einer der gluecklichsten Menschen sein, die es gibt, denn das ist das Beste, was man ziehen kann. Dann schauen wir doch mal, was das mit dem Glueck so an sich haben wird in der Zukunft.

Der Buddhistische Tempel hat mich schon ziemlich beeindruckt. Ein wunderschoenes Gebaeude und die Ruhe, die darin herrscht. Noch besser gefallen hat mir jedoch der zum Tempel gehoerende Garten. Erfrischende Kuehle herrscht zwischen den Baumen, ueberall hoert man Wasser plaetschern. Das Wichtigste jedoch ist, dass die Japaner im Vergleich zu uns versuchen die Natur zu immitieren, was ihnen aeusserst gut gelingt. Ich koennte stundenlang durch einen solchen Park spazieren und beobachten. Das sorgfaeltige Beobachten habe ich mir hier sowieso angewoehnt.

Bis gestern dachte ich, dass ich nun alles vorgesetzt bekommen habe, womit man Auslaender beim Essen schocken kann, doch ich wurde eines bessern belehrt. Denn man kann das ganze auch noch mit rohem Ei mischen. Diese klebrige Masse aus Ei, rohem Fisch, ungekochtem Oktopus, Natos, Bergkartoffelschleim und Wazabi bekommt man serviert, wenn man bagda (Bombe) bestellt. Ich konnte es zwar essen, doch dass ich sowas jemals selber bestelle, bezweifle ich doch schwer.

Wednesday, September 01, 2004

sauna

Nein so etwas wie eine Sauna ist hier wirklich nicht noetig, denn das hier ist eine Saune. Obwohl es nur 35-39 Grad ist, die Luftfeuchtigkeit macht den Rest und diese ist nach dem Taifun der vergangenen Nacht noch hoeher. Zum Glueck waren wir nicht im Zentrum des Taifuns, trotzdem ich hatte den Eindruck, dass vor meinm Fenster ein Wasserfall in die Tiefe stuerzt und das Haus knarrte nur so im Wind. Heute morgen wurde das Haus noch von zwei schwachen Erdbebenwellen erschuettert, doch das scheint hier normal zu sein.

Gestern war ich zusammen mit Kai in Azuma. Da steht das Museum eines Malers und Poeten, der bis zum Hals gelaehmt war. Den Pinsel mit dem Mund haltend hat Tomihiro Hoshino zarte Blumenbilder gemalt. Was mich jedoch viel mehr beeindruckt hat waren seine Gedichte (zum Glueck in japanisch und englisch verfasst). Die Texte als ein Wiederspiel von Verzweiflung, Hoffnung und Liebe, Hilflosigkeit, Schuldgefuehl und Lebensfreude. Das Museum war ruhig, hoechstens ab und zu ein Fluestern zu hoeren. Auf mich wirkte das Ganze andaechtiger als jede Kirche.

Geld? Durchschnittlich verbrauche ich 80 Franken im Tag, wenn ich alles ausser dem Flug rechne, wobei zu bedenken ist, dass ich laengst nicht immer ein Hotel bezahlen muss, mir dafuer ab und zu auch mal was goenne.
Ja, manchmal wuerde ich gerne hier bleiben. In dieses verschlafene Dorf Azuma koennte es mich gerne einmal verschlagen, doch hoechstens fuer eins, zwei Jahre... Das Land fasziniert mich immer noch gleich, ja sogar noch mehr, das Leben in und mit einer Familie laesst einen doch noch andere Dinge sehen und verhindert, dass man ein Land zu sehr idealisiert.

Kasukabe